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Mach kein Theater, geh hin! Das Tour-Tagebuch

1. Tag - Walsrode

Freitag, 10.09.2010 in Walsrode

Vieles war gleich geblieben: es war wieder September, der Bus war immer noch rot, die 5te Dimension komplett. Und vieles hatte sich verändert: der September war kalt, der Bus ein Turbo-Diesel, Ben war weg und Julia dabei. Zwei Jahre war es nun her, dass wir mit unserer persönlichen Security-Firma „Ralle Brutalowski“ auf Tour gegangen sind. Dieses Mal – die Terrorwarnungen inzwischen verblasst, unser Gesundheitsbewusstsein stattdessen gewachsen – in Begleitung der ehemaligen KGB-Ärztin Natascha Koznowa (Foto?).
Unser Tourauftakt sollte in Walsrode stattfinden, im bekannten Vogelpa... nein, doch eher im Jugend- und Kulturzentrum.
Ein wenig bang war es den Veranstalterinnen wegen der wenigen Kartenvorbestellungen. „Wenn wir Kindertheater anbieten, sind die Karten ratz fatz ausverkauft!“ erklärten sie uns. Diese kalte und nackte Wahrheit wollten wir so nicht stehen lassen. Nun, so sollte das Kindertheater eben allein bis zu diesem Abend die 5te Dimension in Sachen Besucheranstrom in den Schatten stellen.
Wir ließen es vor den insgesamt etwa 12 ZuschauerInnen so richtig krachen, wobei wir wohl eher unbewusst dem Kindertheater eigene Akzente entgegen setzten:
In der Folterkammer lag Kolibert der Dritte (falls sich hier noch jemand an den „richtigen“ Namen erinnert, bitte austauschen) auf der Streckbank und feuerte den Folterknecht wohlig winselnd an, die Schrauben noch etwas mehr anzuziehen. Zwei Mafiosi reklamierten eine Motorsäge, die ihre Dienste zur Schutzgelderpressung verweigerte. Und ein irre verliebtes Paar entzweite sich, als es angewidert den ersten gemeinsamen Hausputz hinter sich brachte, bei dem es versehentlich einen Gast der vorabendlichen Party mit dem Staubsauger einsaugte.
Unser kleines aber feines Publikum war einsame spitze und machte Lärm für 100. Sogar die Walsroder Kulturreporterin blieb bis zum Ende der Show, und das war – wie uns versichert wurde – eine Ausnahme. Ha! Die Presse am nächsten Morgen war auch entsprechend voll des Lobes über einen – wie auch wir finden – gelungenen Tourauftakt. Beim nächsten Mal in Walsrode werden wir mal sehen, ob wir nicht doch gleich in den Vogelpark ausweichen müssen.

2. Tag - Nienburg

Samstag, 11.09.2010 in Nienburg

Aufgewacht in der 6 Personen-Suite im Hause der Familie Schwarz. Nach einem fulminanten Fühstück von Frau Schwarz – nur ans Bett bringen hätte hier noch eine Qualitätssteigerung erreichen können, aber so lange wir in Walsrode weniger bekannt sind als das örtliche Kindertheater, können wir das wohl nicht erwarten – gingen wir in den beschaulichen Gassen des Ortes shoppen. Um genau zu sein, sind wir in der einzigen Einkaufsstraße hoch und runter gelaufen und hatten damit gefühlt die Dimensionen der Stadt erfasst.
Die 5te Dimension verabschiedete sich und machte sich auf nach Nienburg, dem Ort unseres Tourhöhepunktes.
Da vor dem Auftritt noch Zeit war, entspannten wir uns auf einem Bootssteg an der Weser. Den Warnhinweis, ausschließlich Ruderern sei der Zutritt gestattet, ignorierten wir in unserer jungen und frivolen Art. Es sollte sich leider zeigen, dass auch in Nienburg unser Bekanntheitsgrad noch nicht ausreichte, als dass uns Regelverletzungen dieser Art durch ein Autogramm im Gegenzug verziehen würden. Der 4er kam um die Ecke geschossen und zielte provokant mit seinen Rudern auf unsere gemütlich sitzenden Hintern. Auf turbulente Wortgefechte und eine Massenschlägerei verzichtend trotteten wir von dannen. Denn wir wussten, auch in Nienburg werden sich die Menschen irgendwann einmal angeberisch erzählen: „...und dann habe ich doch tatsächlich die 5te Dimension auf dem Bootsanleger getroffen!“
Die abendliche Auftritt war dann etwas ungewöhnlich für uns: Normalerweise sind wir es gewohnt, dass Simultanübersetzungen als Spiel Teil der Show sind, und dann AUF der Bühne. Eine Zuschauerin war allerdings in Begleitung ihrer amerikanischen Gäste da. Und sie hat – ungelogen – ALLES, was auf der Bühne gesprochen wurde, ins Englische übersetzt und ihren Sitznachbarn für uns gut hörbar mitgeteilt. Das nächste Mal werden wir vorher Kopfhörer austeilen und Übersetzer hinter schalldichtes Glas verbannen. Oder nur Spiele auswählen, in denen entweder gar nicht oder Kauderwelsch gesprochen werden muss. Schritzgewirta makkassa belunge!!! Da darf sich nun jeder selbst seinen Teil zu denken... :-)
Trotz der etwas erschwerten Bedingungen waren aber insgesamt auch mit diesem Abend alle zufrieden.
Anschließend freuten wir uns auf unseren Schlafplatz in der Schneeweißchengasse im Märchenwald. Axel fuhr uns – wie immer- hin. Danke an dieser Stelle an unseren unermüdlichen Busfahrer und den geilsten Typen der Welt!

3. Tag - Hannover

Sonntag, 12.09.2010 in Hannover

Der Sonntagmorgen begann mit einem riesen Frühstücksbuffet und einer Partie Bowling im Celler Bowlingcenter. Umwerfend talentiert zeigte sich in zweiter Runde Tanja, nachdem sie in der ersten den trügerischen Schein kompletter Unfähigkeit hat wachsen lassen. Julia war dafür extrem bewandert in der Bowling-Theorie und sah bei ihren Fehlwürfen immer unschlagbar elegant aus.
Am Abend würden wir wieder in Hannover sein, in der Bürgerschule. Ein Tourabschluss in trautem Ambiente also. Leider war uns Petrus nicht so gnädig gestimmt, vielleicht steht er auch mehr auf Kindertheater. Zwei Stunden vor der Show fing es an zu regnen wie aus Eimern. Doch wir wussten, kein Tropfen ist zu nass, keine Sicht zu schlecht, kein Wind zu kalt um uns diesen Abend durch profane klimatische Unwägbarkeiten zu vermasseln. Seit Walsrode wussten wir: die Größe (des Publikums) ist nicht wichtig!
Wie wahr. Es wurde ein lauschiges Heimspiel, nicht zuletzt dank Sebastian Steinhardt am Klavier. Für uns der beste Improbegleiter der Welt. So. Das musste mal gesagt werden. Danke Sebastian!
Natascha Koznowa sollte an diesem Abend das letzte Mal uns und das Publikum medizinisch drillen. Beim nächsten Mal würde sie nämlich mit auf der Bühne Impro spielen. Denn seit der Tour und ihrem spielerischen Einstand ist Julia nun „vollwertiges“ Mitglied der 5ten Dimension. Sie ist stolz drauf und wir sind es auch. Allen Kindertheatern dieser Erde zum Trotz.
Wir sagen DANKE an alle, die dabei waren: das Publikum in Walsrode, Nienburg und Hannover, die VeranstalterInnen, die TechnikerInnen, Sebastian Steinhardt, und zu guter Letzt natürlich uns, weil wir uns so lieb haben. Die Tour ist vorbei, aber das Motto bleibt: Macht kein Theater, geht hin!

Eure 5te Dimension